Der diskrete Charme des Marktes: Zur sozialen Problematik by Johannes Berger

By Johannes Berger

Die soziologische Gesellschaftstheorie ist bis auf den heutigen Tag von einer anhaltenden Skepsis gegenüber der Marktvergesellschaftung geprägt. Gemeinschaftsverlust, zunehmende Ungleichheit und empörende Ungerechtigkeiten sind bekannte Stichworte der Kritik an dieser historisch neuartigen Organisationsform der Wirtschaft. Die Denkanstöße dieser Kritik aufnehmend versucht dieser Band einen zumindest für die Soziologie ungewöhnlichen Blick auf die Marktwirtschaft zu werfen: Märkte befördern Gleichheit, indem sie Eintrittsbarrieren schleifen, die in Verbandsbildungen aller paintings ihre Wurzel haben. Solche Eintrittsbarrieren sind eine zentrale Ursache materieller Ungleichheit. Internationale Entwicklungsunterschiede resultieren in erster Linie nicht aus unfairen Handelspraktiken, sondern aus der unterschiedlichen technologischen Leistungsfähigkeit von Nationen. Sie werden abgebaut, wenn entweder die weniger entwickelten Länder technologisch aufholen oder wenn bestehende Barrieren der Aneignung neuen Wissens beseitigt werden.

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Die soziologische Gesellschaftstheorie ist bis auf den heutigen Tag von einer anhaltenden Skepsis gegenüber der Marktvergesellschaftung geprägt. Gemeinschaftsverlust, zunehmende Ungleichheit und empörende Ungerechtigkeiten sind bekannte Stichworte der Kritik an dieser historisch neuartigen Organisationsform der Wirtschaft. Die Denkanstöße dieser Kritik aufnehmend versucht dieser Band einen zumindest für die Soziologie ungewöhnlichen Blick auf die Marktwirtschaft zu werfen: Märkte befördern Gleichheit, indem sie Eintrittsbarrieren schleifen, die in Verbandsbildungen aller paintings ihre Wurzel haben. Solche Eintrittsbarrieren sind eine zentrale Ursache materieller Ungleichheit. Internationale Entwicklungsunterschiede resultieren in erster Linie nicht aus unfairen Handelspraktiken, sondern aus der unterschiedlichen technologischen Leistungsfähigkeit von Nationen. Sie werden abgebaut, wenn entweder die weniger entwickelten Länder technologisch aufholen oder wenn bestehende Barrieren der Aneignung neuen Wissens beseitigt werden.

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Auch der Arbeitsvertrag wird formal freiwillig geschlossen. Der Zwang, einen solchen Vertrag abzuschließen, entspringt der mangelnden Ausstattung potentieller Arbeitnehmer mit anderem Eigentum als dem Eigentum an der eigenen Arbeitskraft. Auch die Tatsache, dass Arbeitsverträge den Eintritt in einen Herrschaftsverband bedeuten (Weber 1972: 37), ändert an dieser formalen Freiwilligkeit nichts. B. Elster 1985: 211ff). Diese Unterscheidung ist insbesondere für den Arbeitsmarkt von Bedeutung. Die Arbeiter mögen durch die Umstände genötigt sein, einen Arbeitsvertrag zu schließen (force), aber niemand zwingt sie dazu (coercion).

Aber in entwickelten Marktgesellschaften mit ausgebauten Kreditmärkten könnten sie sich doch, so lautet das Gegenargument, dieses fehlende Kapital leihen und damit den schon im Markt befindlichen Unternehmungen Konkurrenz machen! Wenn es nicht dazu kommt, dass durch die Aufnahme von Krediten den schon bestehenden Unternehmungen Konkurrenz gemacht wird, dann kann dies - vorausgesetzt es mangelt nicht an Monopolisierungsfähig sind aber nicht nur sachliche Produktionsmittel, sondern auch Leistungsqualifikationen aller Art (Weber 1972; 177).

Der Kern der Marktfreiheit ist die Vertragsfreiheit. Niemand kann von Tauschpartnern gezwungen werden, einen Vertrag einzugehen. Diese Vertragsfreiheit impliziert allerdings nicht die Abwesenheit von Notlagen oder ökonomischen Zwängen. Aber der "stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse" (Marx), der die Handlungswahl der Akteure einschränkt, wird nicht auf Märkten generiert, sondern beruht auf Strukturen, die den Märkten vorgelagert sind. Auch der Arbeitsvertrag wird formal freiwillig geschlossen.

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